06/12/2019

Brauchen wir eine Frauenquote?

In vielen EU-Ländern gehört eine Frauenquote bereits zum Alltag – was das für die Wirtschaft bedeutet, weiß Susanne Zimmermann

Brauchen wir eine Frauenquote?

In den letzten Jahren ist vieles in Bewegung gekommen. In Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen sitzen vermehrt Frauen – für so manchen sei das noch zu wenig und gehe vor allem nicht schnell genug voran. Die Schweizerin und Expertin für Beziehungsmanagement, Susanne Zimmermann, sieht vor allem in der Lohngleichheit in ihrem Land noch Defizite: „Zum Thema Lohngleichheit hat die Schweiz laut Statistiken, publiziert am 14. Juni 2019, dem Frauenstreiktag, noch einiges aufzuholen. Gleiche Arbeit, gleicher Lohn sollte auch in der Schweiz möglich sein.“ Aus eigener Erfahrung gibt Zimmermann Frauen den Tipp, sich nicht unter Wert zu verkaufen. Frauen sollten für ihre Kompetenzen einstehen und hart, aber fair verhandeln, schließlich bringen sie die gleiche Leistung wie männliche Kollegen in vergleichbaren Positionen.

„Ich bin persönlich der Meinung, dass die Vielfalt der Menschen in einem Unternehmen auf allen Führungsstufen bis zum Verwaltungsrat einen klaren Mehrwert bietet. Das Kreativitätspotenzial und die Innovationskraft werden durch unterschiedlich denkende und handelnde Menschen ausgebaut“, erläutert Susanne Zimmermann. Für sie sei daher eine gesetzliche Quotenregelung keine nachhaltige Lösung, starre Regelungen förderten eher Diskriminierung und Frustration. Unternehmen entwickelten sich dann erfolgreich, wenn die Mitarbeiter unternehmerische Freiheit ausüben und Innovationsmöglichkeiten nutzen könnten. Zimmermann wirft daher folgende Frage auf: „Möchten Sie wegen einer Quote rekrutiert werden oder wegen Ihren persönlichen Fähigkeiten?“

In der heutigen, sich schnell verändernden Zeit, die unter anderem geprägt von der Automatisierung von Arbeitsprozessen sei, müssen sich sowohl Männer als auch Frauen stetig weiterentwickeln. In ihrer jahrelangen Arbeit als Coach mit beiden Geschlechtern stellte Susanne Zimmermann fest, dass es zwar klare Unterschiede auf der physischen Ebene gebe, auf der emotionalen Ebene jedoch weniger. „So habe ich Männer begleitet, die ähnlich funktionierten wie Frauen und Frauen, die Verhalten aufzeigten, die eher dem männlichen Rollenbild entsprachen. Der Unterschied liegt in unseren Rollenbildern. Sie entstehen in der Kindheit und sind geprägt von unserer Erziehung sowie der Kultur, in der wir aufgewachsen sind.“ Geschlechterthemen würden zukünftig mehr und mehr ineinanderlaufen zum Beispiel wählen zunehmend mehr Frauen den Beruf eines Lastwagenfahrers oder Männer erlernen die Rolle einer Hebamme.

Abschließend plädiert Susanne Zimmermann für mehr Zusammenhalt: „Nur zusammen können wir die Herausforderungen der Zukunft bewältigen. Zusammen können wir Erfolge feiern und aus Niederlagen wachsen. Nur zusammen können wir die Ziele und den soliden Fortbestand unserer Unternehmen sichern. Allein sind wir einzigartig, zusammen sind wir stark!“

Retour