27/01/2020

Beziehungsstress – kennen Sie das?

Menschen brauchen Menschen! Und doch ist es für die meisten eine Herausforderung, eine nachhaltige und vertrauensvolle Beziehung aufzubauen.

Beziehungsstress – kennen Sie das?

Allgemeine Situation: Zahlen und Fakten

Beziehungen stehen unter Druck: Der häufigste Kündigungsgrund vom Arbeitnehmer war in der Schweiz mit 53.1 % die Unzufriedenheit mit dem direkten Vorgesetzten (gemäss einer Studie von NeumannZanette & Partnerim Jahr 2017). Das dürfte heute nicht viel anders sein. Auch in privaten Beziehungen sieht es nicht gerade rosig aus: In der Schweiz lag die Scheidungsrate im Jahr 2018 bei etwa 40% – gleich auf mit unserem Nachbarn Deutschland (40% im Jahr 2019) und etwas weniger als in Frankreich (45%im Jahr 2019).

Welche Faktoren führen dazu, dass eine Beziehung scheitert?

  • Mangelnde Kommunikation und selektives Zuhören.
  • Erwartungen und Rollen sind nicht klar definiert.
  • Projektionen von eigenen Themen auf das Gegenüber.
  • Die Illusion, den anderen verändern zu können.
  • Konsumhaltung – «wenn es hier nicht klappt, dann suche ich eine Alternative».
  • Unterschiedliche Wertehaltungen
  • Verschiedene Auffassungen von Führungsverhalten oder Erziehungsmethoden
  • etc.

Beziehungen, sei es im Privat- oder Geschäftsleben, sind für uns überlebenswichtig. Schon unsere Vorfahren, die Homo Sapiens, gingen sie ein, um ihr Erhalten zu sichern. Der Mensch benötigt für sein Gleichgewicht drei Pfeiler: eine Aufgabe/Beruf, ein Dach über dem Kopf und Beziehungen. Fällt einer dieser Grundpfeiler weg, verliert er die innere Balance.

Privat- und Berufsleben vermischen sich immer mehr durch die Einführung von neuen Arbeitsmodellen wie Homeoffice, Teilzeitarbeit etc. Die klare Rollenverteilung von Mann und Frau hat sich in den letzten Jahren ebenfalls stark verändert, was für die Beziehungsgestaltung eine Herausforderung sein kann. Heute hat jeder den Anspruch eine «super Mami und Managerin/Arbeitnehmerin» oder ein «super Papa und Manager/Arbeitnehmer» zu sein. Perfektion ist in unserer Gesellschaft stark verbreitet. Wer perfekt sein möchte, stellt hohe Ansprüche an sich selbst – das erhöht wiederum den inneren Druck. Und zu viel Druck ist Gift für Beziehungen.

Wendepunkt: Erkenntnis

Eine wertschätzende Beziehung beginnt bei einem selbst. Wir können nicht vom anderen erwarten, dass sie unsere Bedürfnisse und Mängel kompensieren, ob im Beruf oder in der Paarbeziehung. Früher waren die Rollenbilder klar definiert. Heute sind die Rollen durchmischt. Veränderung heisst in Bewegung sein. Dadurch entstehen neue Arbeits-, Zeit- und Lebensmodelle, die die Beziehungsgestaltung beeinflussen.

Lösungen: Tools

  • Selbstreflexion

Der erste Schritt ist die Beziehung zu sich selbst zu verbessern. Lernen Sie sich besser kennen. Im Markt werden zahlreiche Persönlichkeitstests und Verhaltensmodelle angeboten. Wählen Sie für sich ein Tool aus, das Ihnen entspricht.

Hier ein praktisches Beispiel der farbigen Verhaltensmodelle von INSIGHTS und PERSOLOG DISC. Der Grundstein für diese farbigen Verhaltenspräferenzen legte der Psychiater Dr. Carl Gustav Jung (1875-1961). Er prägte die Begriffe Extraversion und Introversion. Menschen mit viel Extraversion orientieren sich im Aussen, suchen die Aufmerksamkeit bei anderen Menschen und füllen damit ihren Energiepegel auf.

Das Gegenteil davon nennt man die Introversion. Introvertierten Menschen suchen die Aufmerksamkeit nicht im aussen, sondern in sich selbst. Sie schauen ins Innere und starten eine Interaktion mit sich selbst. Wie Sie sehen, sind beide Verhaltensweisen weder falsch noch richtig, sie sind nur anders.
Diese Verhaltens- und Persönlichkeitsprofile helfen uns, nicht nur uns und andere Menschen besser lesen zu lernen. Sie unterstützen uns auch in unserem Selbstmanagement. Wir verlieren viel Energie in den zwischenmenschlichen Beziehungen durch mangelnde Kommunikation und unterschiedliche Arbeitsweisen.
Ich möchte hier betonen, dass dieser Ansatz nicht das Ziel verfolgt, Menschen in Schubladen zu stecken. Es geht darum, die Verhaltensweisen der Menschen beobachten zu lernen, um effizienter eine gemeinsame Ebene zu finden. Vertrauen entsteht, wenn ich mich verstanden fühle. Echtheit, Authentizität und Integrität fördern die Vertrauensebene

  • Kommunikation & Respekt:

Nehmen Sie sich Zeit für persönliche Gespräche mit Ihren Vorgesetzten, Mitarbeitenden, Führungskollegen, wie auch mit Lebenspartner*innen. Gerade im technologischen Zeitalter ist es essenziell offen zu kommunizieren. Das aktive Zuhören bekommt dabei einen wichtigen Stellenwert. Aktives Zuhören reduziert Missverständnisse und schenkt dem Gegenüber Wertschätzung. Ich schenke ihm für einen Augenblick einen Teil meiner Lebenszeit. Bringen Sie den Mut auf, Emotionen und Empfindungen direkt anzusprechen. Denn diese wirken unterschwellig mit und können die Beziehung unbewusst belasten.

  • Erwartungen und Rollen:

Klären Sie Ihre Erwartungen mit Ihren Vorgesetzten, Kollegen oder Partner*innen. Vereinbaren Sie, wie Sie diese im Alltag einbringen. Definieren Sie ein klares Rollenverständnis und wie Sie mit Unvorhergesehenem umgehen wollen.

  • Schwierigkeiten:

In jeder Partnerschaft gibt es Hochs und Tiefs. Konflikte zeigen verschiedene Verhaltensweisen, Wertehaltungen und Interessen auf. Dies sind Chancen, sich und den anderen besser kennenzulernen. Sprechen Sie darüber und suchen Sie zusammen eine Win-Win-Lösung. Wenn die Emotionen hochlaufen, warten Sie mit dem Gespräch bis beide etwas «abgekühlt» sind. Schwierigkeiten zusammen zu meistern, stärkt die Beziehung und das gegenseitige Vertrauen.

Ich wünsche Ihnen viele nachhaltige, vertrauensvolle Beziehungen.

Welche Lösungen haben Sie für langjährige, wertschätzende Beziehungen?

 

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