15.01.2020

Alleinsein oder sich allein fühlen – kennen Sie das?

Alleinsein oder sich allein fühlen – kennen Sie das?

Situation: Alleinsein kann Menschen einsam machen
Die Zahl der alleinlebenden Menschen steigt von Jahr zu Jahr an – das ergeben Studien in den USA und Europa. Auch ein Artikel von No Isolation (Quelle verlinken: www.noisolation.com/de/research/consequences-of-social-isolation-for-children-and-adolescents/) bestätigt das. Darin heißt es, dass im Leben von 7,2 % der europäischen Bevölkerung sogar Jahre vergehen, in denen sie weder Freunde noch Verwandte treffen. Studien belegen ebenfalls, dass Isolation das Risiko für Herzerkrankungen um 29 %, für Schlaganfälle um 32 % erhöht. Einsamkeit und Isolation werden mit Stress, Depression und suizidalem Verhalten in Verbindung gebracht.

Menschen sollten nicht allein sein oder sich allein fühlen. Und doch gibt es genug Situationen, die zum «Alleinsein» führen:

  • Alleine leben
  • Sich in einer Beziehung oder Familie alleine fühlen
  • Im Unternehmenskontext sich nicht akzeptiert oder unverstanden fühlen
  • Als Manager wissen, dass einige Kollegen um den eigenen Job streiten
  • Ebenso einsame Entscheidungen fällen müssen, die grosse Auswirkungen auf das Unternehmen und die eigene Funktion haben können
  • und so weiter …

Alleinsein ist für den einen Freiheit und bewusst gewählt. Für den anderen ist es Schmerz. Jede Person erlebt dieses Thema auf seine Weise geprägt von seiner eigenen Lebensgeschichte. Oft verharren wir in einer unglücklichen Situation aus Angst allein zu sein.

Ich kenne das Thema aus eigener Erfahrung. Jahrelang lebte ich allein. Als Beispiel vor Jahren, als ich und meine Altersgenossen den 40. Geburtstag feierten, trafen wir uns nach vielen Jahren wieder. Sie fragten mich: Hast du Kinder? Nein. Hast du einen Ehemann? Nein. Bist du geschieden? Nein. Hast du einen Partner? Nein. An ihrem Blick sah ich, dass Sie dachten: Hast du ein Problem?
Niemand fragte mich: Welche Visionen und Träume hast du erfüllt? Welche persönliche Weiterentwicklung bist du durchlaufen? Wie kam es zur Firmengründung? Etc.

Meine Herausforderung war, dass ein Teil in mir sich nach einem traditionellen Leben mit Familie sehnte, der andere, stärkere Teil, wünschte sich Freiheit, Entdeckungen und Wissen aneignen. Aufgrund der eingeprägten gesellschaftlichen Konditionierungen, begann ich mir selbst die Frage zu stellen: «Ist bei mir etwas falsch?» Eine unabhängige, mutige und selbstständige Frau, die sich mit ihrem Innenleben auseinandersetzt, sich immer wieder neuen Herausforderungen stellt, sich stetig weiterbildet, war für andere schwierig einzuordnen.
Ich hörte oft: «Du hast zu hohe Ansprüche; du bist zu intelligent; du bist zu selbständig; du verlangst zu viel etc.» Bis mir bewusst wurde, dass ich mir selbst solche Etiketten aufgeklebt hatte. Die Aussensicht spiegelte mir, was ich im Inneren über mich selbst dachte.

Wendepunkt: Erkenntnis
Ich las viele Bücher zum Thema Beziehungen und Persönlichkeitsentwicklung, beobachtete Beziehungen im beruflichen und privaten Umfeld. Auch in Einzelcoachings beschäftigten sich meine Klienten regelmässig mit diesem Thema. Mir wurde bewusst, dass für eine andauernde Beziehung der erste und wichtigste Schritt, die Beziehung zu sich selbst ist. In Paarbeziehungen wie auch in Beziehungen im beruflichen Kontext haben wir die Tendenz unsere eigenen Themen und Glaubensätze auf das Gegenüber zu projizieren. Wir möchten, dass der andere so ist, wie wir ihn gerne haben hätten.
Bei alleinlebenden Personen gibt es keine Projektionsfläche. Sie haben keine Möglichkeit die inneren Bedürfnisse durch jemandem im Aussen befriedigen zu lassen. Sie sind auf sich selbst gestellt. Und dies lässt viele Menschen verkümmern, weil Wertschätzung, Zuneigung und Zugehörigkeit fehlen.
Lösung: Alles beginnt mit der Beziehung zu sich selbst
Ich entschloss mich, meine Beziehung zu mir selbst zu stärken. Die folgenden Schritte habe ich für mich entwickelt. Es benötigt Ausdauer und Entschlossenheit diesen Weg zu gehen.

1. Schritt:  «Heirate dich selbst»!
JA, zu sich selbst zu sagen, in guten wie in schlechten Zeiten, ist die Basis für eine lange Beziehung. Machen Sie sich zur Nummer 1 in Ihrem Leben und hören Sie vermehrt in sich hinein, anstatt sich mit anderen zu beschäftigen, um von sich selbst abzulenken. Eine gesunde Eigenliebe ist ein wichtiger Grundstein. Nach dem Motto «Wer sich selbst liebt, wird auch von anderen Liebe ernten!» Wertschätzen Sie alles, was Sie erreicht, durchlebt und gelöst haben. Denn: «Nur der sich wertschätzt, wird von den anderen geschätzt».

2. Schritt:  «Wie du denkst und handelst, so bist du» – Affirmationen
Unsere Gedanken beeinflussen unsere Handlungsweise und unsere Lebenseinstellung. Beobachten Sie Ihre Gedanken. Wenn Sie im Stau stehen, in den öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs sind, nehmen Sie sich Zeit bewusst Ihre Gedankenwelt zu beobachten. Wir sind alle Regisseure unseres Kopfkinos und kreieren oft spannende Filme, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Wir denken vermehrt an das, was wir nicht mehr wollen, anstelle an das, was wir wollen. Was wollen Sie konkret? Schreiben Sie dies auf. Positive Affirmationen helfen das problembehaftete Denken zu transformieren. Statt die Augen aufs Handy zur richten, konzentrieren Sie sich auf positive Sätze, wie Sie Ihr Leben gestalten möchten.  

3. Schritt: «Höre auf, dich mit anderen zu vergleichen»
Von klein auf vergleichen wir uns. Jedes Kind hat in der Familie seinen Platz einzunehmen. In der Schule werden wir durch die Resultate bewertet und im Berufsleben durch unsere Leistungen. Nur vergleichen wir stets Äpfel mit Birnen. Wir finden immer jemanden, der besser, schöner, klüger und kompetenter ist als wir. Aber wir sind alle einzigartig und haben ein Genie in uns. Entdecken Sie in sich Ihren Mehrwert und Ihre Ressourcen. Sie haben viel mehr davon, als Sie glauben.

4. Schritt: «Trage nicht die Herausforderungen anderer auf deinen Schultern»
Wir haben die Tendenz die Schicksale unserer Liebsten und Mitarbeitenden/Kollegen auf unsere Schulter zu nehmen. Wir dürfen mit den Personen mitfühlen, doch nie mit ihnen mitleiden. Es ist wichtig, dass wir ihnen zumuten, dass sie die Situation schaffen und gestärkt aus diesen Situationen herausgehen. Dadurch stärken wir uns und die betroffene Person.

5. Schritt: «Achte auf deinen Körper und deine Gesundheit»
Ein gutes Körpergefühl ist Goldwert. Es stärkt unser Selbstvertrauen und unsere Gesundheit. Der Körper ist unser bester Freund. Wir haben nur einen in diesem Leben. Schauen Sie auf ihn. Regelmässige Bewegung, bewusste Ernährung, achtsame Pflege, Genuss und Zuneigung verhelfen ihn gesund zu halten.  Nehmen Sie sich drei Mal am Tag eine Minute Zeit für sich, wählen Sie einen ruhigen Ort, wo Sie nicht gestört werden. Während dieser Minute atmen Sie tief ein und aus. Das bewusste Atmen schenkt uns Lebensenergie und beruhigt den Gedankenstrom.

Ihre Meinung ist mir wichtig.
Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Welche weiteren Lösungen haben Sie entwickelt? 

 

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